>Man darf hier auch nicht laut sagen, dass der Baron im Grund ein Japaner ist. Die meisten wissen es ja gar nicht.
Das ist genau so wie beim Opel-Jeep = Japaner. Der weiss auch nicht wo Ruesselsheim liegt.<
Es scheint eher so zu sein, dass verschiedenes verwechselt wird.
Ich unternehme mal den Versuch, etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Da die Chrysler Corporation nicht unbedingt Kompetenz im Kleinwagenbau hatte, jedoch in Kalifornien die Bestimmungen zur Zulassung von Verkäufen schon immer WEIT ihrer Zeit voraus waren (z.B. kamen die KAT-Bestimmungen aus Kalifornien, ebenso die Bestimmungen bezgl. Flottenverbrauch, oder eben aktuell die sogenannte "Zero-Emmission"), mußte Chrysler reagieren. Man hatte zwar etliche Marken (Eagle, Dogde, Plymoth, AMC, JEEP, usw.), aber keine Kleinwagenkompetenz. Erinnert Ihr Euch noch an die Mitsubishi Colt (so Ende der 70er?)? Die wurden "tonnenweise" von Mitsubishi bestellt, bekamen dort das "Dodge-Label" umgehängt und wurden dort verkauft. Aufgrund der US-Bestimmungen bezgl. Hubraum und vor allem PS-Zahlen (warum gab es denn Ende 70er "kastrierte" TransAm vom Camaro oder Firebird mit Hubraum satt, aber z. B. nur 170 PS aus dem 5.0 V8 von GM?) hatte sich Chrysler, auch aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf die Entwicklung von Vier-Zylinder-Motoren fokussiert. Der amerikanische Markt hatte jedoch in den 80ern ein Problem damit, eine Oberklasse-Limousine (New Yorker) mit einem Vier-Zylinder zu fahren. So kam es zu einem großzügigen Rahmenauftrag an die Freunde von Mitsubishi, den bekannten und bewährten 3.0 V6 anzuliefern. Chrysler selbst startete ebenfalls die Entwicklung eines V6 mit, ich meine 3.3 oder 3.4l. Als dieser Motor die Serienfreigabe hatte, "spendierte" man dem LeBaron
die Mitsu-Motoren, fertig war der LeBaron V6 (den der einheimische Markt immer wieder verlangt und gefordert hatte).
Das erste große Fahrzeugprojekt mit Mitsubishi war die Entwicklung des Dodge Stealth = Mitsubishi 3000 GT. Auch der Eclipse von Mitsubishi wurde von Chrysler unter dem Laber "Dodge" verkauft.
Der LeBaron selbst war vom Design eine ABSOLUTE Eigenentwicklung der Chrysler Corp. gewesen, mit dem Lee Iaccocca auch für Furore sorgte. Schaut Euch mal Fahrzeuge des Baujahres 1987 an und stellt dann den LeBaron daneben. Soviel zum Thema Ästethik.
Iaccocca und DeTomaso, seines Zeichens Chef von Maserati, verband schon immer eine "Männer"-Freundschaft. Und der "running gag" zwischen beiden war der Spruch: "Irgendwann bauen wir mal ein Auto zusammen." Dieser Spruch bewahrheitete sich mit dem Luxus-Wagen Chrysler´s TC by Maserati, von dem es nicht ganz 8.000 Stück in den Jahren 89 bis 91 gab. Der TC ähnelt in manchen Bereichen stark dem LeBaron, wollte aber oberhalb davon angesiedelt sein. Ob des Grund-Preises von über USD 30.000,-- (Ende der 80er hatten wir, glaube ich, den Dollar irgendwo zwischen DEM 2,50 bis 3,--) war er das zwar auch, aber es zeigte sich, dass der Markt sich nicht wie verrückt auf den TC stürzte. Der Hubraum war "zu klein" geraten (im Einsatz waren bspw. der 2.0 aus dem Maserati BiTurbo usw.).
Zurück zu LeBaron und Japaner: ich weiss also nicht, warum es immer wieder heißt, der LeBaron sei japanisch. Das wäre, wie wenn man sagen würde, der aktuelle SL ist eigentlich ein aufgemotztes Hyundai-Coupé. (ok, seeeehr gewagter Vergleich).
Aber nehmen wir bspw. den TurboII: er hat ein Getriebe mit Bauteilen von GETRAG, hergestellt z.B. im Werk Syracuse. Seine Antriebswellen kommen entweder von GKN, von SSK oder von Citroen. Der Turbolader ist von Garrett. Das Blech und der Kunststoff aus den Staaten, teilweise sogar von Chrysler selbst gefertigt. Der Motor ist eine URALTE Chrysler-Konstruktion, die nicht mal zeitgemäß auf 16V umgebaut wurde, sondern dem einfach in Zusammenarbeit mit Garrett mal wirklich Beine gemacht wurde. Wer den LeBaron als 16V fahren wollte, mußte entweder auf den Maserati-Kopf vom TC, auf den Neon-Kopf oder auf den Lotus T3-Kopf zurückgreifen und etliches an Umbauarbeit leisten (bytheway seigneur: Du bist mir da auch noch ein PAAR Antworten schuldig!!!).
Also, endlich mal HER mit den FAKTEN: Was ist am LeBaron japanisch, außer das er als V6 einen Mitsu-Motor trägt? Das gibt es im übrigen bis heute: das Sebring-Coupé hat ebenfalls einen 2.4L von Mitsu. Um das Chaos zu komplettieren, gibt es aber auch eine 2.4l-Maschine von Chrysler selbst, die in der aufgeladenen Variante im PT zum Einsatz kommt.
Wahrscheinlich wird man in ein paar Jahren sagen, dass der Crossfire auch von Hyundai kommt?
Nee, jetzt mal im Ernst: Her mit den Fakten, würde mich mal brennend interessieren, wer da noch was beisteuern kann.
Grüße und Sayonara
Tonio
p.s.: der Verfasser dieser Zeilen hat kein Problem mit japanischen Fahrzeugen. Zu seinem Haushalt gehören zwei Daihatsu Charade Gt-ti, die gehegt und umsorgt werden. Trotz hochgezüchteter Motoren (3-Zylinder, Turbo-Lader, 101 PS, Leergewicht 880 kg. Hubraum 0,9 l) verrichten sie doch zuverlässig auch nach 16 Jahren ihren Dienst.
Re: LeBaron und die Mär von Japan...
Von hermann am 20.06.2003, 23:39
Du schreibst ja bereits das der 4 Zylinder ein US Produkt von Chrysler ist, und er V6 ein (Schlitzaugen)- Japan Motor.
Des weiteren ist noch anzumerken das die 16 V Technik bei 4-Zylinder Motoren Anfang der 80er Jahre noch in den "Kinderschuhen" steckte und nur einige Hersteller ihren SPitzenprodukten 16 V Motoren einbauten, die aber regelmäßig in die Werkstattmussten ( VW Golf 16 V, Mercedes 190 E 2,3 16 V usw.) Selbst BMW ist viel später mit den 16 V Motoren gekommen, ca. 1991 haben die nur ein Modell, nämlich den 318iS mit 16V Motor herausgebracht. Also nicht die Daten durcheinanderwerfen.
Des weiteren kann die Turbo Technologie gar nicht so schlecht sein, denn viele Volumenhersteller (unter anderem Opel) kehren seit einiger Zeit wieder zu Turbo zurück, von den Diesel Motoren mal gar nicht zu sprechen.
Japanhasser : ja !! Ich habe eigentlich nichts gegen Japan Autos und Motoren solange die in Japan bleiben. ;-)
PS: ist vielleicht auch ganz gut so das viele den Turbo II nicht haben wollen, dann wird der in Zukunft noch seltener und somit exclusiver....
Re: LeBaron und die Mär von Japan...
Von G. Peter HH am 21.06.2003, 14:25
also für leidlich intelligente Menschen gilt die Definition "Schlitzaugen" ausschliesslich zur Unterscheidung zum LB mit Scheinwerferklappen. Irgend ein Teil - oder ganzes Auto herunterzumachen, nur weil es aus Japan kommt ist angesichts der globalen Verflechtung absoluter Schwachsinn....Beim Umstieg auf 4-Ventiltechnik (allerdings 6 Zylinder) bei BMW war ich total enttäuscht - nicht wegen Leistung, sondern Laufverhalten...Da der LB wahrhaftig kein Sportwagen ist, bleibt der gemütliche Bauernmotor - egal wer ihn konzipiert hat - 1. Wahl....
You can't go wrong in LeBaron -
Have fun!
Do it like birds: fly V